23.11.2020 von Symposium Feines Essen + Trinken in Touchpoints

Nachhaltiges Nachwuchsprojekt senkt Kosten in der Abfallwirtschaft

Bild oben: Mathis Kausch, Absolvent der foodakademie und Preisträger des nachhaltigsten Handelsfachwirtprojekts, und Jörg Pretzel, Vorstandsvorsitzender Symposium Feines Essen + Trinken, Bildrechte: Simon Zimpfer, Zimpfer Photography

Im Zuge des neuen gesamtgesellschaftlichen Bewusstseins für Nachhaltigkeit erhält Waste-Management im Lebensmittelhandel einen größeren Stellenwert. Die Endverbraucher zeigen sich interessiert an nachhaltigen Entwicklungen beim Thema Verpackung. Gleichzeitig trauen sich immer mehr Einzelhändler an neue Konzepte bei der Abfallvermeidung und Mülltrennung. Auch der Nachwuchs im LEH trägt wichtige Impulse zur Veränderung der Branche bei.

Waste-Management im Lebensmittelhandel

An der food akademie, Bundesfachschule Neuwied, realisierte ein Absolvent als Abschlussprojekt einen praxisorientierten Lösungsansatz zum ressourcen- und umweltschonenden Waste-Management im Lebensmittelhandel. Im Rahmen seiner Ausbildung zum Handelsfachwirt entschied sich Mathis Kausch, ein nachhaltiges Konzept zur Kostensenkung des Gewerbeabfalls für zwei selbstständig geführte EDEKA-Märkte im Kreis Herford zu entwickeln. Kausch durchlief erst anderthalb Jahre Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel und machte anschließend eine integrierte Weiterbildung zum Handelsfachwirt. Bei der Auswahl seines Handelsfachwirtprojekts setzte er den Schwerpunkt im Bereich Nachhaltigkeit, ein Thema, dass ihm auch privat am Herzen liegt.

Lösungsansatz: Logistik und Mülltrennung

Nach der Freigabe zur Durchführung seines Projektes durch die Marktleitung begann Mathis Kausch mit der effektiven Umsetzung seines nachhaltigen Konzepts zur Ressourcen- und Klimaschonung. Dazu befasste er sich mit Abfallhierarchien und den Aspekten Abfallvermeidung, Vorbereitung zur Wiederverwertung und Recycling. Bei der Analyse der Abfallentsorgung entdeckte der angehenden Handelsfachwirt ein ungenutztes Verbesserungspotenzial beim Waste-Management. Wichtig war dem jungen Fachwirt, die gesamten Optimierungen auch wirtschaftlich begründen zu können. Im Januar 2020 startete er mit der Zielsetzung, eine Senkung der Gewerbeabfallkosten um 10 Prozent innerhalb des nächsten halben Jahres zu erreichen. Ein weiteres Teilziel war die Erreichung von mehr Nachhaltigkeit durch bewusste Abfalltrennung und Recycling. Kausch konzentriert sich dabei auf Lösungsansätze, die Logistik und die Unternehmensführung betrafen. Die Ergebnisse fasste er in einer Überarbeitung des bestehenden Abfallkonzepts zusammen und machte sich mit Unterstützung des Inhabers und der Markleitung an die praktische Umsetzung vor Ort. Kausch stellte zwei Ursachen für die hohen Gewerbeabfallkosten des Unternehmens fest: Ineffiziente Intervalle in der Abholung von Papierpressen und Foliensäcken verursachten Mehrausgaben. Bei einer Anpassung der Prozesse konnten hier Gelder eingespart werden. Zum anderen führte eine falsche Mülltrennung zu erhöhten Kosten. Für schlecht sortierte Abfälle wurden dem Betrieb höhere Kosten in der Abfall-Entsorgung in Rechnung gestellt. Kausch fand heraus, dass eine konsequente Trennung des Mülls die Kosten erheblich senken würde. Die Gründe für die fehlerhafte Abfallsortierung waren vielfältig: Unwissenheit und Überlastung der Mitarbeiter, mangelhafte Vermittlung der Wichtigkeit des Themas Mülltrennung bei der Einführung sowie fehlende Sortierstationen am Arbeitsplatz. Zur Behebung und Durchführung des neuen Abfallkonzepts wurde eine neue Stelle als Umweltbeauftragter geschaffen. Neue Mülltrennsysteme wurden in Pausen- und Lagerräumen aufgestellt. Eine einführende Mitarbeiterschulung mit gemeinsamer Ideenfindung wurde gehalten, um alle für die neuen Maßnahmen an Bord zu holen und zu begeistern. Lehrvideos wurden erstellt, um bei der Einarbeitung neue Kollegen für das Thema Mülltrennung zu sensibilisieren.

Hauptgewinn für Umwelt und Unternehmensbilanz

Sechs Monaten nach der Einführung des Abfallkonzepts zeigte sich die Wirksamkeit der neuen Maßnahmen: In der einen Filiale konnten über 12 Prozent der Gewerbeabfallkosten eingespart werden, in der zweiten Filiale waren es 8 Prozent. Auch in einer anschließenden wirtschaftlichen Überprüfung zeigte sich, dass sich der Mehraufwand für Schulungs- und Personalkosten gelohnt hatte, auch unter Berücksichtigung der Investitionskosten für die Implementierung, konnten beide Filialen ihre gesamten Kosten senken. Das Konzept des jungen Handelsfachwirts war ein voller Erfolg, sowohl für die Unternehmensbilanz als auch die Umwelt.

Mathis Kausch, Preisträger des nachhaltigsten Handelsfachwirtprojekts, Bildrechte: Simon Zimpfer, Zimpfer Photography

Erfolgreiche Kooperation des Symposiums mit der food akademie

Für sein Konzept zum Thema Waste-Management wurde Kausch mit dem Preis für die Entwicklung des nachhaltigsten Handelsfachwirtprojekts vom Symposium Feines Essen + Trinken ausgezeichnet. Die Preisverleihung, die herausragenden Einsatz für die Branche im Nachwuchsbereich auszeichnet, fand im Rahmen der Kooperation des Symposiums mit der food akademie, Bundesfachschule Neuwied, statt. “Aus der Praxis für die Praxis” – dieser Leitsatz prägt die Bundesfachschule des Lebensmittelhandels in Neuwied für Fort- und Weiterbildung im Lebensmittelhandel. Mit der bestehenden Kooperation fördert das Symposium Feines Essen + Trinken, dass sich seit 30 Jahren für die Zukunft der Lebensmittelwirtschaft einsetzt, den Nachwuchs durch direkten Austausch, Integration und Vernetzung mit den Stakeholdern der Branche.

Keywords in diesem Beitrag:
  • Abfallwirtschaft
  • Nachhaltigkeit
  • Zero Waste
Symposium Feines Essen + Trinken
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