18.09.2019 von Symposium Feines Essen + Trinken in PoS

Marktanalyse: Stationäres Geschäft versus Out-of-Home-Markt? Teil 1

Teil 1: Warum die Gastronomie auf Erfolgskurs ist

Handel und Gastronomie – zwei Vertriebsformen, die sich gewinnbringend ergänzen können und unheimlich viel Potenzial im Zusammenspiel haben. Die Gastronomie kann für Zusatzumsätze bei bestehenden Kunden sorgen und Frequenz, Aufenthaltsqualität sowie Verweildauer erhöhen. Jochen Pinsker – Senior Vice President bei Food Service Europe, npdgroup Deutschland GmbH – stellte bei der Fachtagung des Symposiums Feines Essen + Trinken 2019 die aktuellen Marktanalysen rund um das Thema Retail-Gastronomie vor, präsentierte Best Practices und erklärte die wichtigsten Einflussfaktoren erfolgreicher Hybridkonzepte von Handel und Gastronomie.

 „Was ist eigentlich Gastronomie? Dazu zählen alle fertig präparierten Speisen und Getränke, gekauft für den sofortigen Verzehr.“
Jochen Pinsker – Senior Vice President bei Food Service Europe, npdgroup Deutschland GmbH

Große Wachstumsträger im Gastronomiemarkt im letzten Jahr waren der Lebensmitteleinzelhandel und Betriebe aus dem Bereich Handel und Handwerk, zum Beispiel die Bäcker. Dieses Marktsegment wächst: Im Jahr 2018 haben die deutschen Verbraucher rund 81 Milliarden Euro für fertig präparierte Speisen und Getränke zum sofortigen Verzehr ausgegeben. Das sind rund 15 Milliarden Euro mehr als vor 7-8 Jahren. Was ist aber der Treiber des Wachstums? Um das zu beantworten, müssen wir uns verschiedene Faktoren anschauen: Wie häufig gehen die Gäste in die Gastronomie, im weitesten Sinne? Und wie viel geben sie dort aus?

Das starke Umsatzwachstum in der Gastronomie resultiert aus zwei positiven Komponenten: Die Gäste essen häufiger außer Haus und sie geben pro Besuch mehr aus. Sowohl die Durchschnittsumsätze als auch die Frequenz wachsen. Das war nicht immer so. Viel beginnt und endet mit gesellschaftlichen und demographischen Trends. Wir beobachten vier Haupteinflüsse auf dieses Wachstum.

1. Die Zunahme an Single-Haushalten in Deutschland: Ungefähr die Hälfte aller Haushalte in Deutschland sind mittlerweile Einpersonenhaushalte.

2. Erwerbstätigenquote – vor allem bei Frauen wächst. Arbeiten sie im Unternehmen, dann müssen sie dort verpflegt werden – außer Haus. Am Abend, wenn sie aus der Arbeit nach Hause kommen, haben sie möglicherweise weniger Zeit und Lust, selbst zu kochen, und nutzen abermals die Gastronomie. Außerdem ist dadurch mehr Geld verfügbar für die Nutzung gastronomischer Leistungen.

3. Ein eher negativer Faktor für die Gastronomie ist der Trend Homing. Gerade junge Erwachsenen verbringen mehr Zeit zu Hause. Das ist nicht das Cocooning, von dem wir vor 10-12 Jahren gesprochen haben, die soziale Isolation zu Hause. Das soziale Leben der Millennials findet heute seltener in Kneipen oder Bars statt, sondern zu Hause bei der Play Station, bei Streaming-Diensten wie Netflix, die das Kino verdrängen.

4. Die Digitalisierung – steigender Umsatz bei Online-Lieferdiensten. Wenn die jüngere Generation mehr Zeit zu Hause verbringt, ist sie nicht in der Gastronomie. Mit Homing ist ein weiterer Trend vernetzt: E-Commerce. Mittlerweile werden 5% aller Mahlzeiten, die wir fertig präpariert zu uns nehmen, geliefert. Fast die Hälfte dieser Bestellungen passiert online, meistens über Apps. Die andere Hälfte im Übrigen – immer noch per Telefon.

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