28.06.2019 von Symposium Feines Essen + Trinken in Produktwelt

MEAL-Studie: Weltweit größte Untersuchung von Schadstoffen in Lebensmitteln

Viele Lebensmittel enthalten Zusatz- oder Füllstoffe wie Zucker, Süßstoffe, Weißmehl, Aromen, Konservierungsmittel, Verdickungsmittel, Farbstoffe und andere. Diese Substanzen werden bei der Herstellung von Lebensmittel beigefügt, um die Haltbarkeit zu verlängern oder die Konsistenz, die Farbe oder den Geschmack zu verbessern. Viele dieser Stoffe stehen unter dem Verdacht Krankheiten sowie eine unnötige Gewichtzunahme zu verursachen. Experten empfehlen den Verzehr von Lebensmittel, die viele dieser Substanzen enthalten, zu reduzieren. Diese Ernährungsempfehlung hat sich bereits in einen Trend umgewandelt: Der Clean-Food- oder Clean-Eating-Trend setzt sich für den Verzehr von möglichst naturbelassenen Nahrungsmitteln ein. Auch die Industrie hat diesen Trend bereits aufgenommen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft will nun einen Schritt weiter gehen. In der MEAL-Studie sollen unsere Lebensmittel neben Schad- und Zusatzstoffen auch darauf untersucht werden, welche möglichen gesundheitsschädigenden Substanzen bei der Verarbeitung von Lebensmitteln entstehen. Damit liegt der Fokus das erste Mal auf sogenannten Prozesskontaminanten, die untersucht werden sollen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat die MEAL-Studie beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Auftrag gegeben. Die Untersuchung soll sieben Jahre dauern und ist weltweit die umfangreichste Studie, sowohl in Bezug auf die Anzahl der untersuchten Lebensmittel als auch auf die Menge an Stoffen. Über 90 Prozent der in Deutschland verzehrten Lebensmittel werden in der Untersuchung abgebildet und analysiert.

“Wir haben einen hohen Grad an Lebensmittelsicherheit in Deutschland und Europa. Mit Forschungsprojekten wie der BfR-MEAL-Studie helfen wir, diese noch weiter zu verbessern, da wir so immer mehr über die tatsächliche Zusammensetzung unserer Lebensmittel wissen.”
Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR)

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wurde 2002 ins Leben gerufen und arbeitet seitdem unter der Prämisse „Risiken erkennen – Gesundheit schützen“. Das Institut ist eine wissenschaftliche Einrichtung der Bundesrepublik Deutschland die Gutachten und Stellungnahmen zu Fragen der Lebens- und Futtermittelsicherheit sowie zur Sicherheit von Chemikalien und Produkten erarbeitet, um den gesundheitlichen Verbraucherschutz zu stärken. In der seit 2016 laufenden MEAL-Studie versucht das Institut anhand von Mahlzeiten für die Expositionsschätzung und Analytik von Lebensmitteln herauszufinden, welchen schädlichen Einflüssen Verbraucher beim Verzehr von zubereiteten Speisen ausgesetzt sind. Es soll eine realistische Einschätzung der Aufnahme von Stoffen erreicht werden, die bei der Verarbeitung von Lebensmitteln entstehen – dies beinhaltet auch das häusliche Kochen und Backen. Dazu werden die fertigen Mahlzeiten auf Zusatzstoffe und Prozesskontaminanten, also auf Substanzen, die bei der Zubereitung entstehen, untersucht. So lässt sich zum Beispiel auch ermitteln, welche Gehalte an Acrylamid durchschnittlich in Keksen oder Pommes Frites enthalten sind, die gekauft oder im Haushalt zubereitet werden. Von den Ergebnissen sollen Verzehrempfehlungen und weitere Maßnahmen abgeleitet werden.

Für die MEAL-Studie sollen etwa 50.000 bis 60.000 Lebensmittel eingekauft und in einer eigens dazu eingerichteten Küche zubereitet werden. Die Proben werden anschließend in Laboren auf verschiedene Stoffgruppen analysiert, sowohl auf gesundheitlich förderliche als auch auf unerwünschte Stoffe. Neben Zusatzstoffen und Prozesskontaminanten gehören dazu Stoffe aus der Umwelt (Umweltkontaminanten wie z.B. Dioxin), Schimmelpilzgifte (Mykotoxine), Pflanzenschutzmittel, Tierarzneimittel und Stoffe, die aus Verpackungen in die Lebensmittel gelangen. Interessant für den Verbraucher ist die Unterscheidung der einzelnen Lebensmittel nach Region, Saison oder Produktionsart. So wird zum Beispiel zwischen biologischem und konventionellem Anbau unterschieden. Je nach Ergebnis könnte die Studie neue Argumente bringen, in der Diskussion um eine Subvention der ökologischen Landwirtschaft. Auch für die Tierhaltung und die Verpackungsindustrie könnte dies Folgen haben. Die Nachweisgrenzen von Stoffen sind bei der MEAL-Studie möglichst niedrig gehalten. Die erwarteten Ergebnisse werden also genauere Daten zu Hintergrundbelastungen geben als vorherige Studien. Für mehr Stoffe können somit zuverlässige Aussagen hinsichtlich chronischer Gesundheitsrisiken getroffen werden. Für empfindliche Bevölkerungsgruppen oder hinsichtlich bestimmter Lebensmittel können spezifische Verzehrempfehlungen getroffen werden. Die Ergebnisse sollen darüber hinaus auch zur Einordnung akuter Risiken – etwa im Falle einer lebensmittelbedingten Krise – genutzt werden. Bisher waren viele Stoffe in Lebensmitteln nicht nachweisbar oder wurden nur in unverarbeiteten Lebensmitteln untersucht. Die BfR-MEAL-Studie wird mit 13 Millionen EUR vom Staat unterstützt.

Keywords in diesem Beitrag:
  • Clean Food
  • Health
  • Schadstoffe Lebensmittel
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