05.07.2019 von Symposium Feines Essen + Trinken in Touchpoints

Symposium 2019: Wake-up-Call, mutige Gastro-Konzepte & neue Wertschätzung

Der Think Tank der Lebensmittelwirtschaft – das Symposium Feines Essen + Trinken – brachte es am 9. und 10. Mai in München auf den Punkt: Die Branche ist in Bewegung wie nie zuvor. Quantität verliert kontinuierlich an Bedeutung, Qualität und sinnstiftende Individualisierung entscheiden zunehmend. Die gesellschaftlichen Umbrüche machen sich bemerkbar und verändern unsere Lebens- und Arbeitsweisen und somit auch unsere Essgewohnheiten. Die Branche antwortet mit der Entwicklung völlig neuer Gastro- und Convenience-Konzepte, die den erweiterten Ansprüchen des Verbrauchers an Transparenz, Verantwortung und Top-Qualität begegnen, sowie den Clean-Food-Trend aufnehmen. Die gestiegene Erwartung an die Vorbildfunktion und den Bildungsauftrag von öffentlichen Einrichtungen bestimmte die Diskussionsrunde des Panels zum Thema neuer Wertschätzung von Lebensmitteln.

1.000 Entscheider aus Handel, Industrie und Gastronomie verfolgten die mit viel Substanz versehenen Vorträge und entdeckten eine Fülle von ungekannten Food-Innovationen in beispielloser Konzentration. Über 400 Top-Entscheider aus dem Lebensmittelhandel, Vertreter von über 120 Industriepartnern sowie 27 Start-ups, prominente Sterneköche, Food-Journalisten und Blogger beteiligten sich intensiv und mit großem Engagement an dem produktiven Dialog zur Gestaltung der Branchenzukunft.

„We need a change when it comes to food! How? Don’t put shit in it.“
Lieven Vanlommel, CEO, Foodmaker

Lieven Vanlommel (CEO, Foodmaker)

Mit dieser mehrfach wiederholten Provokation befeuerte der belgische Food-Pionier Lieven Vanlommel die Diskussion und forderte einen Wandel in der Branche: Clean Food, Waste-Management und ökologische Verantwortung werden immer wichtiger. Die Shopper – insbesondere die Millenials und die Generation Z – wünschten sich reinere Produkte ohne Zusatzstoffe, die möglichst ressourcenschonend und nachhaltig produziert werden. Dazu kommt, dass immer weniger Zeit fürs Kochen aufgewendet wird, aber zeitgleich bewusste Ernährung immer wichtiger wird. Vanlommel ist der CEO von Foodmaker. Mit seinem nachhaltigen Erfolgskonzept will er nach Belgien nun auch Frankreich und Deutschland erobern.

„Es kommt eine neue Generation nach, die Essen radikal hinterfragt.“
Hanni Rützler, Foodtrendexpertin

Keynote-Speakerin Hanni Rützler macht den Wertewandel in der Gesellschaft deutlich: „Schneller, billiger, mehr – macht uns nicht mehr glücklich“, so die Prognose der Foodtrend-Expertin. Die Phänomene werden immer diverser: vegane Ernährung, Spiritual Food, Peak Meat, Clean Food, Plant Based Food sind Schlagwörter der Stunde. Rützler beschreibt eine gesellschaftliche Entwicklung von dem Nachholbedarf der Kriegsgeneration hin zum Flexitarier. Wir sind mittlerweile eine gesättigte Gesellschaft, nun geht der Fokus hin zu mehr Qualität, Sinnstiftung und Ressourcenschonung. Peak Meat ist erreicht – es werden immer weniger fleischliche Produkte, aber dafür hochwertigere und nachhaltig produzierte verzehrt. Vegetarische und vegane Trends werden in die Essensgewohnheiten integriert und kombiniert. Plant Based Food, das durch die vegane Bewegung Aufwind bekommen hat, findet immer mehr Zustimmung in einer breiteren Bevölkerungsschicht. Dies sind nur einige der vielen Entwicklungen, die Handel und Industrie fordern werden.

Johann Lafer (Fernsehkoch),  Mrs T(ea) (Gründerin), Hanni Rützler (Foodtrendexpertin)

Jochen Pinsker, Senior Vice President, npdgroup Foodservice Europe, sieht den Wandel im Shopper-Verhalten bestätigt. Die Ausgaben für Gastronomie sind in den letzten Jahren stetig gestiegen. 80 Milliarden Euro gaben Konsumenten in Deutschland für gastronomische Leistungen aus. Die Gründe für den gesteigerten Konsum sind die demographischen Veränderungen: es gibt immer mehr Single-Haushalte, immer mehr Frauen sind berufstätig und immer mehr Menschen lassen sich Mahlzeiten nach Hause bringen. Die zunehmende Digitalisierung verstärkt diesen Trend zusätzlich: Noch nie war die Auswahl an Lieferdiensten so hoch wie heute.

„Immer mehr Menschen haben weniger Zeit, um selber zu kochen. Sie geben mehr Geld in Restaurants und für Lieferservice aus. Zusätzlich kannibalisieren Lieferdienste den LEH. Der wiederum reagiert mit neuen Gastro- und Convenience-Konzepten, um Kunden an sich zu binden.“
Jochen Pinsker, Senior Vice President, npdgroup Foodservice Europe

Vorreiter der Handelsgastronomie haben den Out-of-Home-Trend bereits erfolgreich adaptiert. In Impulsvorträgen präsentierten Experten Best Practices und zeigten wie sich Gastronomie-Konzepte und Convenience-Produkte gewinnbringend im LEH verankern lassen. Christian Kraft verriet in seinem Vortrag „Der Weg zum Sushi”, die Zutaten seines Erfolgsunternehmens Eat Happy. Lieven Vanlommel forderte: „Great food for great people“ und stellte das nachhaltige Clean-Food-Konzept von Foodmaker vor. Anschließend zeigte der Geschäftsführer von Le Buffet, Urs Bischof, die Bestandteile einer gelungenen Gastronomiestrategie im Warenhaus auf – think global, eat local. Ergänzend referierte Steffen Schmidt von Globus über die Relevanz von individualisierten Gastrokonzepten im Vollsortimenter. Ercun Altan berichtete, wie sein erfolgreiches Shop-in-Shop Döner-Konzept Green Kebab die Bedürfnisse der Kunden nach Transparenz und Clean Food erfüllt. Anhand poetischer Bilder schilderte Haruhiko Saeki seine Success Story, angefangen bei der Herkunft der traditionellen Ramennudeln über die Weiterentwicklung zum TAKUMI Ramen-Nudel-Konzept. Bernd Stark erklärte, wie Salomon FoodWorld mit Hilfe von Foodservice Monitoring und Trendanalysen seine Gäste mit immer neuen Foodkonzepten begeistert. Auf dem Marktplatz konnten sich die Teilnehmer von der Qualität und Innovation der präsentierten Gastro-und Convenience-Konzepte selbst überzeugen. Ob duftende Ramennudeln, leckeres Fingerfood, Döner nach Reinheitsgebot, frisches Sushi, leckere Couscous-Salate – diese Köstlichkeiten überzeugten auch den letzten Skeptiker.

Uwe Schulz (Moderator), Harald Wohlfahrt (Sternekoch), Johann Lafer (Fernsehkoch), Björn Freitag (Fernsehkoch), Stevan Paul (Foodjournalist), Hilaire Spreuwers (Kitchen Rebel), Renate Künast (Bundesministerin a.D.)

Das Panel forderte aktive Umsetzung neuer Wertschätzung

In dem interdisziplinär besetztem Abschluss-Panel – bestehend aus der Bundesministerin a.D. Renate Künast, den Sterneköchen Harald Wohlfahrt, Johann Lafer und Björn Freitag sowie dem Food-Journalist Stevan Paul und dem flämischen Gastronomieexperten und Kitchen Rebel Hilaire Spreuwers – wurde eine neue Wertschätzung von Lebensmitteln ausgerufen. So lautete das Fazit der erfahrenen Runde, dass der Wandel in der Lebensmittelbranche von Gesellschaft, Politik und Bildung gleichermaßen getragen werden muss. Die Vorschläge der Experten beinhalteten die Förderung von jungen Start-ups – insbesondere auch von Frauen, der Subvention der ökologischen Landwirtschaft und die Unterstützung von Gesellschaftsschichten, die sich biologisch hergestellte Produkte aus Kostengründen nicht leisten kann. Öffentliche Einrichtungen sollen als Vorbild dienen und ihre Kantinen auf nachhaltige und ressourcenschonende Produkte und Herstellung umstellen. 

„Führende Handels-Entscheider und Top-Vertreter aus Industrie und Start-up begegnen sich an allen Ständen auf dem Marktplatz zum partnerschaftlichen Austausch auf Augenhöhe: Das gelingt in dieser Art und Effektivität nur auf dem Symposium.“
Jörg Pretzel,Vorstandsvorsitzender, Symposium Feines Essen + Trinken

Auf dem Markplatz wurden die Diskussion direkt an den Marktständen fortgesetzt. Der Vorstandsvorsitzende des Symposiums, Jörg Pretzel, zeigte sich beeindruckt von der Dynamik im Dialog und der Vielfalt der angebotenen Produkte und Konzepte. Das einzigartige Format des Symposiums bot auch dieses Jahr wieder einen lebendigen Gesprächsrahmen, in dem alle Zielgruppen generationsübergreifend in direkten Austausch miteinander kamen. Der Marktplatz zeigte Kreativität, Mut und potenzielle Game Changer. Von innovativen Konzepten wie der ersten Trinkflasche, die Wasser nur über den Duft Geschmack verleiht (Air-up) bis hin zu den liebevoll zubereiteten Spezialitäten des Gastlandes Flandern überboten sich die Aussteller mit wertschätzenden Inszenierungen ihrer Produkte. Flämische Spitzenköche wie Hilaire Spreuwers und Bram Heylens standen voller Elan an Pfannen und Tellern, um die Entscheiderebene der Lebensmittelwirtschaft mit kleinen kulinarischen Kunstwerken von der Qualität der flämischen Produkte zu überzeugen. Die Ausstellungsfläche des Gastlands Flandern bildete das Herzstück des Marktplatzes, hier gab es feinste Pralinen, Kombucha-Tee, wahlweise auch als Cocktails, nicht zu vergessen appetitlich frisch zubereitete Salate und Bowls.

Zahlreiche Händler gingen hier auf Entdeckungsreise, darunter eine Vielzahl selbstständiger Einzelhändler und zahlreiche Regionalgesellschaften von EDEKA und REWE, als auch nahezu alle Mitglieder der MARKANT sowie Onlinehandelsvertreter von Alibaba und Amazon. Auch Foodjournalisten und Sterneköche ließen sich von den vielen emotional inszenierten Produkten faszinieren und begeistern. Es gab viel zu entdecken, zum Beispiel die Stände der japanischen Aussteller, die ihre delikaten Kreationen darboten. Darüber hinaus konnte man einer ostfriesischen Teezeremonie beiwohnen oder sein Konterfei von einem Foodartist auf einem Pfannkuchen abbilden lassen. Es gab gesunde, fruchtige Smoothies, köstliche Meerrettich-Kreationen (Lieblingskren), sowie eine Auswahl von edlen Weinen und Schokoladen. Die Trendthemen Nachhaltigkeit, Bio und vegane Ernährung spiegelten sich in der reichen Auswahl der Produktvielfalt wider, genauso wie die traditionelle Handwerkskunst mit ihren feinen Wurst- und Käsekreationen. Denn auch im klassischen Segment übertrafen sich die Hersteller. Von der Trüffelsalami-Praline über würzigen Rohmilch-Käse bis hin zu einer besonders feinwürzigen Bio-Blutwurst kitzelten erlesene Geschmacksnoten den Gaumen.   

Auch die Start-up-Area bildete dieses Jahr ein Highlight auf dem Marktplatz. 27 Gründer nutzten das Symposium als Startrampe, um die Top-Entscheider des Handels auf sich aufmerksam zu machen. Die geforderten Clean-Food-, Plant-Based-Food- und Waste-Management-Konzepte wurden hier bereits kreativ umgesetzt. Die Händler und Experten wie Hanni Rützler, Björn Freitag, Harald Wohlfahrt, Johann Lafer, Stevan Paul sowie der Food-Blogger Hendrik Haase suchten neben Gesprächen mit etablierten Herstellern, den direkten Dialog mit den Start-up-Herstellern und die Verkostung von Foodinnovationen. Die Neugier von Top-Entscheidern traf auf die inspirierende Offenheit von Experten und die Innovationskraft von Food-Foundern. Den Dialog mit allen Teilnehmern schätzten die Start-ups als besondere Chance, sich über den gewohnten Kreis hinaus zu vernetzen und die Branche gemeinsam weiterzuentwickeln. Stolz berichteten junge Start-ups von erfolgreichen Listungen in den großen Handelsketten der DACH Region, deren Initialzündung auf dem Symposium des letzten Jahres stattgefunden hatte.

„Das Besondere am Symposium ist, dass wir unsere Produkte hier direkt einem Kreis von Fachleuten und Entscheidern vorstellen können. Solche Kontakte kriegt man normalerweise nicht und hier kommt man ganz einfach ins Gespräch.“
Mark Mühürcüoglu, Co-Founder von O-Mochi und CookieBros.

In der Tat konnten Händler auch dieses Jahr wieder tolle Foodinnovationen der Start-ups entdecken, zum Beispiel den Einsatz von Tee als Würze beim Kochen und Backen – zu finden bei Mrs.T(ea), schmackhafte Insektenburger (BugFoundation), eine Informations- und Vernetzungsplattform für Imker und Bienenfreunde (BEEsharing), einen natürlichen Functional Drink basierend auf der ayurvedischen Superfrucht Moringa (Naturally High) und Clean Food Energieriegel frei von Zucker, Füllstoffen und Gluten (HEJ Natural).

Sieger auf dem Marktplatz: Nomoo, Consorzio Toscano und Bedford

Einer der Höhepunkte war auch dieses Jahr wieder die Preisverleihung, bei der die besten Konzepte des Marktplatzes 2019 gekürt wurden. Das Publikum konnte anhand eines spannenden Live-Votings im Kesselhaus entscheiden und kürte drei Aussteller zu Siegern:

  • Die Eishersteller von Nomoo aus Köln freuten sich dank ihres konsequent nachhaltigen und veganen Konzepts über die Auszeichnung zum innovativsten Produkt.
  • Consorzio Toscano – ein Zusammenschluss mittelständiger und kleiner Betriebe aus der Toskana – nahmen den Preis für die beste Inszenierung ihres Produkt-Konzeptes entgegen.
  • Die Wurst- und Schinkenmanufaktur Bedford erhielt den Preis für den schönsten Stand.

Für die überzeugende und kreative Gastland-Präsentation wurden die flämischen Vertreter geehrt.

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Symposium Feines Essen + Trinken
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