19.12.2018 von Ben Kuplien in Shopper-Trends

Wer isst in 20 Jahren noch Fleisch und warum?

Die Idee der fleischlosen Ernährung ist nicht neu – aber die Beweggründe haben sich geändert: Die Vorreiter der veganen Bewegung, Ende der 1980er-Jahre waren militante Tierschützer, heute achten Veganer eher auf Ihre eigene Gesundheit. Und in der Zukunft werden Veganer die Masse sein, nicht die Fleischesser.

Unsere Entfremdung von einer natürlichen Lebensweise spielt heute eine große Rolle im veganen und vegetarischen Trend. Wir leben heute größtenteils in Städten, wo die Verwertung von Tieren ihre Selbstverständlichkeit verloren hat. Tiere begegnen uns hier eher in Form von Haustieren oder Kuscheltieren, nicht jedoch als lebendige Tiere, die für uns sterben sollen.

Unser zentrales Motiv für eine gesunde Ernährung – als Gegenentwurf zu Fastfood und Massentierhaltung – ist, dass wir viel tun, um möglichst lange fit zu bleiben. Früher war die Aussicht auf ein Leben nach dem Tod für die Menschen ein beruhigender Trost. Nachdem nun immer weniger daran glauben, möchten sie von dem Leben vor dem Tod möglichst viel haben. Eine große Summe an Glück – und dazu gehört, dass sie gesund und fit sind und gut aussehen. Ein weiterer Faktor ist, dass sie es können, weil die Auswahl an Lebensmitteln heute natürlich eine andere ist als vor 300 oder 500 Jahren.

Ich denke, dass die Menschen heute einfach ein Maximum an Qualität in allen erdenklichen Lebensbereichen erreichen möchten, und das schließt eben auch die Ernährung ein. Kurz gesagt: Früher ging es um Leidvermeidung und heute um Lustgewinn.

Richard David Precht, Deutscher Philosoph und Publizist

Damit wir – innerhalb der letzten 60 Jahre – Fleisch für alle erschwinglich machen konnten, mussten die Preise immer weiter gesenkt werden. Die Folge daraus ist, dass auch billig produziert wird, was wiederum intensive Massentierhaltung und landwirtschaftliche Intensivnutzung nach sich zieht. Das sind die größten Klimakiller und Umweltverschmutzer.

Richard David Precht
Richard David Precht

 

Die Masse muss zukünftig nicht fleischlos leben, um ethisch und ökologisch korrekt zu sein.

 

Ich gehe jede Wette ein, dass es in 20 Jahren keine Massentierhaltung mehr gibt. Nicht allein aufgrund des Umdenkens, sondern auch wegen der neuen technologischen Möglichkeiten, wie der Züchtung von Laborfleisch. Dazu züchtet man aus der Nackenzelle eines Rindes eine Zellkultur, um daraus dann eine Bulette herzustellen. Irgendwann sind dann bestimmt auch andere Fleischtexturen möglich. Dieses Fleisch wird zu Beginn bestimmt sehr hip und nur in Reformhäusern am Prenzlauer Berg zu kaufen sein. Aber in 20 Jahren wird es günstiger sein als Fleisch aus Massentierhaltung.

 

Wird echtes, von geschlachteten Tieren stammendes Fleisch dann überhaupt noch eine Rolle spielen?
Ja, es gilt ja auch als Symbol von Kraft, Stärke und Männlichkeit. Es wird immer Menschen geben, die Wert darauf legen, echte Tiere auf dem Grill zu haben. Und die dafür dann auch bereit sind, sehr viel Geld zu bezahlen. Aber das wird dann kein Fleisch aus der Massentierhaltung sein. Ob aber die Kinder dieser Kunden das noch essen werden, ist eine andere Frage.

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Symposium Feines Essen + Trinken
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