27.01.2020 von Symposium Feines Essen + Trinken in Product world

Touba Peche – Ein Beispiel für nachhaltigen und fairen Fischfang im Senegal

Wie innovativer Fischfang aussieht, erklärten den Teilnehmern des Take-Off Nachwuchskongresses die Betreiber des Berliner Start-ups Touba Peche in ihrem Vortrag: „Frischer Fisch von der Westküste Afrikas auf den Teller deutscher Kunden – Kann das funktionieren?“ Gründer von Touba Peche ist Mouhamed Mbaye, gemeinsam mit Ute Herbst führt er das Unternehmen. In Zusammenarbeit mit Kleinfischern im Senegal importieren sie qualitativ besonders hochwertigen Fisch nach Deutschland. Das Start-up arbeitet mit lokalen Familien zusammen, die traditionellen und ressourcenschonenden Fischfang betreiben. Die Fischer erhalten so eine Chance, ihren Lebensunterhalt zu sichern. Die Familienbetriebe befinden sich im Überlebenskampf gegen die riesigen Fischtrawler, u. a. aus Europa und Russland, die durch Überfischung die Existenzgrundlagen der lokalen Fischer gefährden.

Mouhamed Mbaye, Ute Herbst, Touba Peche

Erfolgreiche Zusammenarbeit mit einem Großhändler

Mouhamed Mbaye stammt aus einer traditionsreichen senegalesischen Fischerfamilie und ist selbst viele Male mit auf Fang gegangen. Seit einigen Jahren lebt er in Deutschland. 2015 gründete er zusammen mit seinen Brüdern das Start-up Touba Peche. Anfangs hatte das Unternehmen mit Startschwierigkeiten zu kämpfen: Ende 2016 hatte Mbaye drei bis vier regelmäßige Abnehmer pro Woche. Aber dies war nicht genug, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Um planbare Einnahmen zu generieren, kontaktierte er METRO, um sie als Großkunden zu gewinnen. Da Touba Peche damals noch nicht IFS-zertifiziert war, scheiterte das Vorhaben zunächst. Das Geschäft nahm Fahrt auf, als ein Journalist von „brand eins“ sich für die Geschichte von Mouhamed Mbaye interessierte und mit ihm in den Senegal flog. Der Bericht wurde im Januar 2017 veröffentlicht und zwei Monate später meldete sich METRO. Ute Herbst, die 2017 in das Unternehmen einstieg, schilderte den Fortlauf der Annäherung bis zur ersten Lieferung für METRO. Geduld war erforderlich, denn ein Großhändler wie METRO arbeite in längeren Prozessen, berichtete Ute Herbst. Doch sei das große Unternehmen auch entgegenkommend gewesen. Nach anfänglicher gründlicher Überprüfung habe man dem Start-up Zeit gegeben, die nötigen Zertifikate nachzureichen.

Ute Herbst, Touba Peche

Ressourcenschonung und transparente Lieferketten

Touba Peche ist mittlerweile IFS-zertifiziert und inzwischen fester Zulieferer der METRO. Dies ist ein Anfang, doch Mouhamed Mbaye und Ute Herbst wünschen sich weitere Kunden, Kapazitäten sind vorhanden. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Die Nachfrage nach Konzepten mit fairen Lieferketten wie Touba Peche steigt – ein Signal für die großen Konzerne. Immer mehr Kunden entwickeln ein Bewusstsein für nachhaltige und faire Herstellung und hochwertige Lebensmittel. Die vor der Küste Senegals gefangenen Fische haben eine hervorragende Qualität. Die Meeresströmung bedingt eine besonders niedrige Schadstoffbelastung. Das macht die hohen Preise wett, die durch nachhaltigen Fang, die faire Bezahlung der Fischer vor Ort und den Transport entstehen. Die lokalen Fischer fahren noch mit traditionellen, bunt bemalten Kleinbooten – Pirogen genannt – aufs Meer hinaus. Zum Fang setzen sie ressourcenschonende Methoden wie Langleinen, Kiemennetze und Wurfnetze ein. Bodennahe Schleppnetze, wie auf Trawlern, kommen nicht zum Einsatz. Zudem werden nur die Mengen gefangen, die auch wirklich gebraucht werden. Auf den Booten wird der Fisch sofort auf Eis gelegt. Nach Anlandung am Strand wird der Fang für Touba Peche zum Kooperationspartner gebracht. Dort wird der Fisch sortiert und vom Veterinär begutachtet, bevor er verpackt und bis zum Flug in der Kühlung gelagert wird. In Frankfurt angekommen wird die Ware nach einer erneuten Kontrolle durch den Veterinär an die verschiedenen Standorte der Kunden geliefert. Vom Fang bis zur Lieferung an den Kunden vergehen 48 bis 72 Stunden.

Mouhamed Mbaye, Touba Peche

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