16.12.2019 von Symposium Feines Essen + Trinken in Product world

Trendwende in der Nahrungsmittelherstellung hin zu mehr Qualität und Nachhaltigkeit

„Braucht der deutsche LEH Premium-Food mit mehr substanzieller als medialer Kompetenz?“

Mit dieser provokanten Frage leitet Wolfgang Dicke, Geschäftsführer der DICKE FOOD MAKES FUN GmbH, seinen Vortrag auf dem Take-off Nachwuchskongress ein, der eine stärkere Wertschätzung von hochqualitativen und nachhaltigen Lebensmitteln fordert. Drei Gruppen von Nahrungsmitteln mit jeweils verschiedenen Kompetenzen unterscheidet der Referent auf dem Markt. Die Produkte der ersten Kategorie sind von ihrer Substanz her qualitativ hochwertig. Es handelt sich um Premiumprodukte, die nur in kleinen Mengen hergestellt werden. Ihre Preise sind angepasst an die hochwertigen Rohstoffe und die handwerklichen bzw. geringfügig automatisierten Produktionsprozesse. Diese Nahrungsmittel besitzen für den Referent eine substanzielle Kompetenz. Dieser Kategorie stellte Wolfgang Dicke zwei weitere Produktgruppen gegenüber: Waren mit Billigpreiskompetenz und Waren mit überwiegend medialer Kompetenz. Eine Billigpreiskompetenz besitzen Massenprodukte, die in großen Mengen hergestellt werden. Deren Preisgestaltung ist an die einfachen, preiswerten Rohstoffe angepasst, aus denen sie hergestellt werden. Neben den genannten ersten zwei Kategorien existiert für Dicke noch eine dritte Gruppe, die Produkte mit überwiegend medialer Kompetenz umfasst. Diese Produkte werden ebenfalls aus einfachen, preiswerten Rohstoffen in großen Mengen hergestellt, preislich sind die Waren jedoch an hohe Vermarktungsbudgets angepasst.

Dicke setzt sich für einen wertschätzenden Umgang von zwar hochpreisigen, aber qualitativ hochwertigen Lebensmitteln und deren nachhaltige Herstellungsweise ein. Als Beispiel dienen kleine, lokal produzierende Handwerksbetriebe, die auf traditionelle Art und Weise Lebensmittel wie Wurst, Brot und Käse herstellen. Mit dem Kauf dieser Waren wird eine Herstellungsweise unterstützt, die Tiere und Umwelt schont. Mit der Herstellung dieser Premiumerzeugnisse werden zwar ebenfalls wertvolle Rohstoffe verbraucht, die Umwelt jedoch durch eine nachhaltige Produktionsweise geschont. Im besten Fall geht ein Teil des Erlöses zurück in die Regeneration der Ressourcen. Das kann nur funktionieren, wenn der Preis angemessen und nicht zu billig ist. Je billiger ein Produkt angeboten wird, desto weniger Aufwand kann für einen nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen betrieben werden. Als Beispiel nannte Dicke die Massenproduktion von Avocados. Die als Superfood gehypte Frucht hat durch verstärkte Nachfrage und Anbau einen inflationären Preisverfall nach sich gezogen. Eine nachhaltige Herstellung wird so unmöglich, denn der Avocado-Anbau verbraucht sehr viel Wasser. Wenn die Früchte unter ihrem Wert verkauft werden, hat das Konsequenzen für die Umwelt und auch für die Löhne der produzierenden Bauern, die beide dafür den Preis zahlen müssen. Deswegen setzt DICKE auf Produkte aus wertvollen Rohstoffen, die nachhaltig in dem Herstellungsland gewonnen werden. Umwelt- und Klimaschutz sollen bei benötigten Energien, Verpackungen und bei der Verwertung von Abfallstoffen beachtet werden.

Wolfgang Dicke, Geschäftsführer der DICKE FOOD MAKES FUN GmbH

Am Ende seines Vortrags ging der Referent noch auf die Rolle von Premiumprodukten im Lebensmitteleinzelhandel ein. Supermärkte sieht Dicke in Abgrenzung zum Discounter und Online-Handel zunehmend als Erlebnis- und Begegnungsstätten und er macht sich stark für die persönliche Beratung an der Servicetheke, die dem Kunden hilft, nachhaltige und hochwertige Lebensmittel zu kaufen. In Deutschland sind aktuell etwa 20 Prozent der Menschen finanziell in der Lage, etwas mehr für Lebensmittel auszugeben.

“Jahrzehntelang galt hierzulande: Nahrungsmittel kauft man billig. Aber nun hat sich das Bewusstsein in vielen Regionen Deutschlands geändert. Es gibt immer mehr Konsumenten mit hoher Kaufkraft, die bereit sind, für emotionale Einkaufserlebnisse und nachhaltige Produkte mit Substanz mehr Geld auszugeben.”
Wolfgang Dicke, Geschäftsführer der DICKE FOOD MAKES FUN GmbH

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